in Ephemera:

das "Kunstwerk der Woche"

 

Kunstwerk der Woche   2020-07-21

 

Mit diesen und ähnlichen kleinen Terrakotten arbeite ich in meinem Projekt "I am (in)..."


("Auf Reisen komme ich immer wieder an Orte, an denen ich ein ganzes Leben lang bleiben möchte oder die mich auf andere Art stark beeindrucken.
Vor Jahren habe ich begonnen, kleine anthropomorphe Terrakotten mitzunehmen und sie an diesen Orten zu hinterlassen (vergraben, verstecken, liegen zu lassen etc).
Einerseits beruhigt mich der Gedanke, auf diese Weise anwesend zu bleiben, andererseits
erheitert mich die Vorstellung des weiteren Schicksals der Figürchen.")

Nun ist eins dieser Figürchen vor vielen Jahren in der Hagia Sophia geblieben, hinter einer Steinwand gut versteckt. So ist es jetzt in einer Moschee gelandet. Vielleicht hört man dort hin und wieder ein Kichern? Allah wird sich wohl nicht gestört fühlen...

 

Obwohl - Jahwe zum Beispiel, würde ihn ein Kichern stören? Also, ich weiß nicht. Als Sara lachte, als er ihr versprach, dass sie einen Sohn bekommen würde, obwohl sie und Abraham hochbetagt waren "und es ihr nicht mehr nach Frauenart erging", war er ziemlich verärgert. Sara erschrak und sagte, sie habe nicht gelacht. Er aber erwiderte: "Doch, du hast gelacht."

 

Hi hi.

 

 

I am (behind the wall covering of) the Hagia Sofia                                            1996

 

 

 

 

Je älter ich werde, desto mehr bekenne ich mich zu flüchtiger Kunst, die keine oder keine erkennbaren Spuren hinterlässt.

Schon früh hätte ich gerne nur ungebrannte oder sehr, sehr niedrig gebrannte Keramik erzeugt, die rasch verwittert. Konventionelle Bedenken oder materielle Zwänge haben mir das selten erlaubt.

Jetzt bin ich so weit, dass mir manchmal Blicke als Kunstwerke ausreichen würden. Um mich damit mitzuteilen, müsste ich davon Fotos machen.

Vielleicht will ich das gar nicht?

Oder doch?